Das menschenverachtende Urlaubslied
oder: Auf gute Freunde, die Achse und den Weltfrieden
Es war mal wieder Zeit, Ihr
wisst schon warum,
Den ganzen letzten Sommer
hing ich nur hier rum,
Keine Kohle, kein Bock, kein
Wochenende frei
Kein Gras, keine Mädels und
das Bike entzwei
Mir war klar, so konnt es nicht weiter geh
Es musste irgendwie doch noch
was andres gehen
Doch Durin
im Urlaub, Frank und Mirko in Kur,
Doof, doch das Leben ist halt
kein Ponyhof
Und so hing wieder mal vorm
Computer rum
Von den vielen bunten Seiten
schon wieder ganz dumm
Doch dann auf meiner
Lieblingsseite angelangt,
Klickte ich auf einen Link,
der war mir bis dato unbekannt
Ein Hauch von Hoffnung schoss
durch meine Hirnrinden
Was mag es sein, was werd ich
dort wohl finden
Das Ende des Netzes, den
Assistenten von Gevatter Tod,
Weder noch, meine Freunde, es
war ein All-Inclusive-Angebot
Sonne, Sand, 6 Sterne Hotel
Pool, Billard, ein Bild mit Fotomodell
Vollpension, noch Zimmer
frei,
Flug ab Ramstein, ich war
dabei.
Also, rein in die Bahn, mit
dem Zug zum Flug-Platz
Einchecken, auschecken,
Fenstersitzplatz
Lange Beine und Fertig-Cordonbleu-Bausatz
Beim Landen erwachen mit
Dreitagebart und Bauchansatz
Die Formalitäten am Zoll
gingen richtig schnell
Ein junger Kerl brachte mich
mit nem fetten Jeep ins
Hotel
Löchrige Fassade, doch was
will ich meckern bei den Kosten,
So günstig komm ich nie
wieder in den mittleren Osten
Ich geb
zu an der Rezeption war ich schon verwundert,
Da hing nicht ein Schlüssel, es
waren über hundert
Und durch die Lobby lief
Wolfgang Thierse
Ich war etwas überrascht dass
ich den hier seh
Er hatte ein Seil dabei und
eine Art Zipfelmütze an
Der andere schien sein Kameramann
Die spinnen die Promis, im
Fernsehen sieht man so was nie und nimmer
Ich schüttelte den Kopf und ging erstmal auf mein Zimmer.
Die Tage vergingen wie im
Flug,
Sonne, Sand und Erdnussbutter
mehr als für mich gut
Die Bediensteten begrüßten
jeden Tag mit Salut
Und auch der Rettungsdienst
schien Arbeit zu haben mehr als genug
Meine Haut wurde braun, die
Haare heller
Und die Zeit verstrich immer
schneller
Von Land und Leuten hat ich nicht viel gesehn
Dafür ließ ich mich abends an
der Bar richtig gehen
Viele Amis warn
da, steif wie bei der Armee
Die konnten gar nicht so
schnell schlucken, und hatten gleich einen im Tee
Morgens lang horizontale
Trimmung
Und bis spät in die Nacht
dann Bombenstimmung
Nette Leute, sie schienen
Sport zu lieben
Und zeigten mir die Nähe von
Siegen und Sieben
Doch auch die schönste Zeit
geht mal zu ende
Mein Urlaub so wie damals die
von Salvador Alliende.
Der Herbst empfing mich,
wieder daheim,
Regen, Nebel ich könnte grad schrein
Die Wärme wich, und auch die
Schleier,
Nur die Bilder im Kopf nicht,
hols der Geier
Rot gestrichne Wände musst
ich sehn
Und Frauen die mit nackten
Männern gassi gehen
Straßen voll Patronenhülsen,
und Menschen die nicht viel mehr wert als Müll sind
Aber alles in allem war es doch
so wie ichs mag – mein erster Urlaub im Irak.