La Mort Subit

oder Der tote Mann und Gedanken aus einer versunkenen Zeit

 

Der erste Schluck rinnt meine Kehle hinunter. Ich schlucke, atme über die noch vom Bier feuchte Zunge tief ein. Schwer, süß, vollmundig, das trifft es nicht, auch wenn es so schmeckt, es ist... , es ist mehr. Es ist als ob ich einen tiefen Schluck Vergangenheit genommen hätte, vielleicht mit einem Schuß meiner Phantasie. Aber doch, es ist so, ich spüre den Wind wieder auf dem Gesicht, höre sein Rascheln im Gras und in der Heide, der Regenschauer läßt kühles Naß auf meine glühende Stirn tropfen, wo es sich mit dem salzigen Schweiß meiner Haut vermischt. Ein Tropfen rinnt mir in die Augen und trübt für einen Moment meinen Blick. Schier endlos liegt das grüne Land vor mir, wie ein Teppich über Hügel und Täler gelegt, hier und da durchbricht eine Felsnadel das Gras wie ein Schnitt durch die Haut der Erde, am Horizont scheint grün und blau sich zu vereinen.

Ein Nebelschweif erhebt sich aus dem Tal, als wenn die Herrin unter dem See ihren Atem durch das Wasser senden würde, steigt er zu mir herauf und legt sich wie ein feuchtes Tuch über alles Leben. Um es zu ersticken, nein, um es vor dem Blick des Fremden zu schützen und doch alles preiszugeben, wenn man gelernt hat nicht nur mit dem getrübten Blick eines Menschen zu sehen, wenn man mehr sieht als das Abbild des Lichtes auf der Netzhaut, wenn man das Bild spüren kann...

Ich drehe mich um und gehe zurück Richtung Dorf, das alte vom Wetter zerfurchte Steinkreuz lasse ich links liegen und steige den Hang hinab. Ein Licht durchstößt den dunkelgrauen Schleier der nahenden Nacht, der Wind treibt erste Sprachfetzen zu mir herüber, das Klagen einer Fiedel, das Gelächter eines Mannes, Stimmen, Eindrücke und dann auch Gerüche. Rauch, Bier, heißes Fett, und der würzige Duft der Menschen dort.

Ich öffne die Türe, Licht überflutet mich, wirft Schatten in den Raum, draußen ziehen sich die Schatten um mich zurück. Wärme durchflutet meinen Körper, das nasse Fell um meine Schultern beginnt zu dampfen, eine große Männerhand klopf mir auf die Schulter, ich bin Zuhause. Auch wenn ich nicht hier geboren bin, ich bin Zuhause, jedes Mal aufs Neue, als ob ich nie fort gewesen wäre.

Doch diesmal ist es anders, ich sehe die Lichter langsam verblassen.

Es kommt kein Morgen, der meine Nacht erhellt. Ich sitze da, allein und verlassen, in den Trümmern meiner Welt.

Weil ich dachte ich könnte sehen, weil ich dachte mich zu verstehen, Jahre vergehen wie Sekunden, die im Mahlstrom der Zeit vergehen, Vergessen versprach was ich gefunden, und die Welt hatte aufgehört zu drehen. Doch sie sind vorbei und kehren niemals wieder, außer in mir und meinen Liedern.

Ich fühle die Sonne, wie ein neues Leben zieht der Tag herauf. Manchem süße Wonne lacht, manchem süße Sonne lacht, andren winkt die ewige Nacht.