Papyrus
et diabolo
oder Der Teufel und die
Sonntagszeitung
An jedem Sonntagnachmittag komm ich am Briefkasten
vorbei/
Trifft mich von weitem schon
der Schlag, nicht eine Zeitung, nein gleich drei/
Und Prospekte aller Arten
gleich noch mit reingequetscht/
Was nicht reingeht liegt im
Garten, ich vor Haß die Zähne fletsch/
Trotz eines großen
Hinweisschildes auf dem „keine Werbung“ steht/
Und auch „keine
Sonntagszeitung“ wird dieser Hinweis ignoriert//
Das kann so
nicht weitergehen, jetzt muß endlich was geschehen/
So hab ich letzten Samstag
dann den Briefkasten abmontiert/
Und mit handwerklicher Gabe
das Ding ein wenig präpariert/
Bißchen Kabel,
Stimmverzerrer, Rauchentwickler noch dazu/
Steuerbar vom Küchenfenster,
man das wird der Clou/
Bis spät nachts hab ich
geschuftet, scheute weder Mühn noch Geld/
Nur um Morgen zu erleben
wie`s dem Paperboy gefällt//
Das kann so
nicht weitergehen, jetzt muß endlich was geschehen/
Am Sonntag dann in aller
früh, vor Vorfreude kaum Schlaf gesehen/
Mach ich`s mir mit
Riesemgrinsen am Küchentisch bequem/
Hat auch gar nicht lang
gedauert, da konnt ich ihn von weitem sehn/
Den kleinen
Breifkastenverstopfer, geradewegs auf mein Haus zugehen/
Nur noch ein paar kleine
Schritte und er wird sehen was passiert/
Wenn man meine
Hinweisschilder immer wieder ignoriert//
Seine Hand berührt den
Deckel, meine das Mikrofon/
Und mit tiefverzerrter
Stimme begrüße ich den Hundesohn/
„Sach ma Junior, kannst du
lesen? Was zum Teufel soll der Müll/
Mich jeden Sonntag
vollzustopfen mit so nem Dreck den ich nicht will“/
Dann Funken, Rauch und
Böllerkrachen, jetzt nimmt er angsterfüllt reisaus/
Mein Kasten brennt, egal,
jetzt weiß ich der trägt hier nie mehr aus//
Das kann so nicht weitergehen, jetzt muß endlich was geschehen/
Lachend lösch ich meinen Kasten, ich glaub der hat`s
eingesehen/
Und so wie`s dem ergangen ist wird`s auch dem
Prospektmensch gehen//
Ich hab dann nochmal so ein Ding gebaut, für meine
Gegensprechanlage/
Jetzt ist mir`s Sonntags auch
egal wenn ich Hallo zu den Zeugen sage//