Jesus Weed Interview im Fatal Underground

www.fatal-underground.de

 

 

Weihnachten beginnt dieses Jahr für dich etwas früher .Habe es noch nicht erlebt, das man sich so viele musikalische Wunschträume auf einmal erfüllen kann. Willst du etwa ins Ginnesbuch der Rekorde?

Auf jeden Fall. Mit "Jesuns weed and the dirty seed of hate fearturing the urban tabernacle choir" als längster Bandname aller Zeiten.

 

Also wo fangen wir an? Ach so, dieses Interview ist ja für das Fatal Underground gedacht. Also kommen wir gleich zu CERTAMEN. Nach einer langen Auszeit darf der Drache endlich wieder Todrock Feuer spucken. Wie wurde das Wunder vollbracht, die alte Bandmagie früher Tage zu wecken?

Wir hatten uns ja 2002 aufgelöst, weil es einfach nicht mehr gepasst hat und die Magie irgendwie weg war. Aber mit Durin hatte ich ja Jesus Weed gemacht und Frank und ich sind auch gute Freunde. Mit Sascha hab ich kaum noch Kontakt, wir haben ihn natürlich gefragt, ob er wieder dabei sein will, aber er wollte nicht, ist als Tonmann z.B. für die Apokalyptischen Reiter aber auch reichlich unterwegs. Ja, mir hat nach einiger Zeit einfach das derbe Rocken gefehlt, bin dann 2006 bei den V8 Wankers eingestiegen, hab ein Jahr mit denen getourt und das neue Album (Hell on Wheels erscheint via Rude Records im November) eingespielt, und das hat meine Lust weiter angeschürt und dann war der nächste logische Schritt wieder was eigenes zu machen, also hab ich die Jungs gefragt und sie hatten wieder Bock auf Todrock, also haben wir uns nen Proberaum und nen zweiten Gitarristen geangelt und wieder angefangen, dass war Ende 2006. Leider suchen wir noch immer einen Drummer aus Fleisch und Blut, solange muss der Dietmar weiter "trommeln". Also wenn Ihr daß hier lest und Bock auf ne geile Todmetallkombo habt, meldet Euch, Schlagzeuger. Anfangs haben wir gedacht die Songs für das zweite Certamen Album wieder draufzupacken, das Album war ja komplett fertig komponiert, aber das hat nicht gepasst, ich denke wir haben uns alle doch ziemlich verändert in den 5 Jahren Pause, und die Songs passten dann einfach nicht mehr, sie wurden in einer anderen Phase geschrieben und das kann man nicht zurückdrehen, also haben wir neues Material geschrieben, das sich stilistisch etwas anders anhört, klar ist die Basis immer noch Death Metal, aber es gibt mehr Einflüsse, und das ganze wurde auch etwas langsamer, grooviger, weniger Geknüppel, mehr in die Fresse.

 

Ebenso überrascht hat mich das SHADOWTHRONE nun doch noch als Bandprojekt ihr Album " Quoth The Raven Nevermore " raus bringen konnten. Welchen glücklichen Umstand haben wir das zu verdanken? Werden wir das Album Live bewundern können, oder bleibt SHADOWTHRONE eine reine Studio Angelegenheit?

SHADOWTHRONE (www.shadowthrone.de) sind das Projekt meines alten Freundes Christopher, ich hatte bereits das Debut "Forai: Demon 21" eingespielt und auch die Vocals gemacht, und 2002 haben wir angefangen das zweite Album aufzunehmen, das hat sich bis 2003 gezogen, und dann hatten wir aus verschiedensten Gründen Pause, erst 2006 haben wir noch die restlichen Songs geschrieben und aufgenommen, so dass das neue Album nun Songs aus 5 Jahren enthält, was sehr gut die Entwicklung der Lieder zeigt. Wir sind auch schon wieder dabei neue Songs für das dritte Album zu komponieren, aber wir haben da keine Eile. Ich werde wieder den Bass übernehmen und Durin und ich teilen uns wie gehabt die Vocals. SHADOWTHRONE sind aber eine reine Studiosache, das wird es nie auf einer Bühne zu sehen geben. Wir hatten überlegt, was ja nahe liegt, ein paar Songs ins CERTAMEN Set einzubauen, aber das ist nicht spruchreif.

Ebenso sind V8 WANKERS, zu denen man dich als vollwertiger Mitmusiker zählen kann, mit einem gewaltigen Speedrock Album (Hell on Wheels, VÖ 09.11.07) am Start, was wir dann im November zu hören bekommen. Wie hat sich dein Bandeinstig ergeben und was hast du mit den Rock Hölllenhunden schon so alles erlebt?

Ich kannte die Band schon von Anfang an, als Fan eben, und im Januar 2006 war ich auf einem V8 Wankers Konzert hier in Karlsruhe, und dort sagten sie dass es die Abschiedshow ihrer Rhythmussektion sei und sie neue Leute suchen. Also hab ich ne Mail geschrieben, hab mir die Songs draufgepackt und bin hingefahren, ja, und das hat dann gepasst. Drummer Tobi hab ich übrigens auch mitgebracht, er ist ein alter Freund von mir aus Freudenstadt und Schlagzeuger von Beruf, er hatte Zeit und Bock noch was Zusätzliches zu machen und ist so auch mit an Bord gekommen. Wir haben 2006 ca. 60 Shows gespielt und reichlich Geschichten erlebt, Sex, Drugs und ihr wisst schon. Die geilsten Konzerte waren für mich auf jedenfalls die Shows im Ausland, besonders in der Schweiz und Frankreich.

 

V8 WANKERS scheint für dich mal wirklich eine erste Sache  zu sein. Können wir damit rechnen, das aus dir ein Vollzeitmusiker in der Band wird?

Nein, das wird nicht klappen. Ich hab mich dieses Jahr entschieden mich auf mein Studium zu konzentrieren und dann kann ich nicht mehr so ausgiebig touren. Daher wird die Releasetour zum Album (voraussichtlich im Februar mit den Carburators aus Schweden) meine Abschiedstour sein. Auch die von Tobi, der sich mehr auf sein Hauptprojekt Bulldogs (www.bulldogs.dj) konzentrieren wird.

 

Eine Seite die den wenigsten Lesern dieses Magazins bekannt sein dürfte, ist deine musikalische Ausrichtung, als Liedermacher bei JESUS WEED. Welche besondere Eigenschaft ist bei den Liedermachern besonders schätzenswert?

Kritische Betrachtung des Zeitgeschehens, und das dann auch zu äußern. Die Metalszene ist doch zu den größten Teilen unpolitisch, das ist bei den Liedermachern anders und ich finde das wichtig und richtig, ich brauche dieses Ventil um meinen Sarkasmus loszuwerden. Gleichwohl ist es etwas anderes in Deutsch zu singen, ohne platt zu wirken, und wenn das ganze auch noch witzig sein soll... Auf die textliche Seite liegt bei der Liedermacherei natürlich ein besonderes Augenmerk, was auch das Herangehen ans Songwriting ein anderes werden lässt.

 

Bin mir ziemlich sicher das, die Gedanken unserer Zuhörer gerade Karussell fahren. Sage mir also was dir am wichtigsten bei deinen jeweiligen Musikgruppen ist.

CERTAMEN

Mein Baby, hier will ich einfach sehen ob und wie wir noch rocken können, ne gute Zeit mit Freunden haben, meine eigenen Rocksongs schrieben können.

SHADOWTHRONE

Ist sowohl gesanglich eine Herausforderung (Gedichte von E.A. Poe) als auch instrumental, weil Christopher die Songs zu weiten teilen fertig ausarbeitet und wir erst beim Aufnehmen voll involviert sind, daher ist es immer spannend wie sich die Lieder entwickeln, wie sich die Stimmung verändert oder verstärkt mit Bass und vor allem Gesang. Da ist vieles dann einfach spontan und echt spassig.

V8 WANKERS

Die beste Kick Ass Rock`n`Roll Band die ich kenne. Arschtritt hoch zehn, volle Action auf der Bühne, geil.

JESUS WEED

Mein textliches Ventil für meinen Unmut, außerdem liebe ich den Bandnamen.

 

 

Bei so viel Musik fragt man sich wie Thomaer außerhalb der Musik seine Zeit nutzt?

Ähm, mit Musik. Also ich arbeite neben meinem Studium im RockShop in Karlsruhe, das ist ein richtig großer, und oh wunder, saugeiler Laden für Musikinstrumente und Equipment. Außerdem gibt es da noch 2 weiter Projekte die ich zur Zeit am Laufen habe, aber hauptberuflich bin ich Student.

 

Woran mag es liegen, dass Leute wie wir nicht Wissen wo hin mit unseren ganzen Ideen. Und die meisten Menschen lieber nach der Arbeit, wie Zombies vor die Glotze knallen und glücklich damit sind?

An der Dualität des Menschseins? Ehrlich, keine Ahnung, aber viele sind mit diesem Leben zufrieden, bitte, nicht meine Baustelle, es darf dann doch etwas mehr sein. Arbeiten und Rechnungen zahlen müssen hält uns in diesem ewigen Kreislauf, das ist keine sehr neue Erkenntnis. Wie heißt es so schön in Fight Club: "Arbeiten Jobs, die wir hassen, kaufen dann Scheiße, die wir nicht brauchen..."

 

Weiß wie kostbar deine Zeit ist, und erspare dir  deshalb meine restlichen 20 Fragen. Willst du mir mit deinem Gummihammer noch eine gemeine Frage stellen? Oder nur unsere Zuhörer mit einem Schlusswort loswerden?

 Haltet die Augen offen, sucht Eure eigene Wahrheit, lasst Euch nicht verarschen. Lasst Euch nicht abzocken und bescheißen. Steht zu Euch selbst. Unterstützt den Underground, es gibt immer viele Menschen die Zeit und Herzblut z.B. in Musik stecken und nicht auf der Kommerzschiene mitschwimmen, gebt ihnen ne Chance, wenn das nächste mal ein Konzert im Club um die Ecke ist, und Ihr die Namen der Bands noch nie gehört habt.

Love many, trust few.

Rock!