Interview mit Thomas Keller von Jesus Weed and the dirty seed of hate (www.jesusweed.de)

 

 

Um einfach einmal Missverständnisse auszuräumen, was für eine genaue Bedeutung verbirgt sich hinter dem Namen “Jesus Weed…”

Wir sind eine fundamental christliche pro Amerikanische Band. Hahaha. Nee, im Ernst der Name hat keine besondere Bedeutung. Entstanden ist er noch zu Zeiten unserer gemeinsamen Deathmetal Band „Certamen“ (unser Album „Burning Sky“ find ich immer noch Killer, bis auf den Sound, und es wird 2006 wohl eine Reunion geben…), es war die Zeit des RockHard Jahrespolls und wir amüsierten uns über die schlechtesten Bandnamen im Alternativ-Teil, irgendwann kam dann die Frage auf was unser Vorschlag für den dämlichsten Bandnamen wäre, Durin meinte dann „Jesus Weed“ und ich „and the dirty seed of hate“. Das wars dann auch schon. Der Name hat uns seither nicht mehr verlassen. Einzig den Zusatz „featuring the urban tabernacle choir“ haben wir letztlich weggelassen… ;-)

 

Ich bin durch Zufall auf das tolle Liedermaching-Festival in Wittendorf (WLOA) aufmerksam geworden, welches Du mit veranstaltest. Warum ist die Wahl ausgerechnet auf Wittendorf gefallen und die läuft das Festival bis jetzt?

Nike, mein Partner in Crime was das Festival angeht, und ich stammen aus  Freudenstadt und Wittendorf liegt nur 5 km von unserem zuhause weg. Das Dorf ist ziemlich verschlafen, dort stört sich niemand am Festival und wir könnten gute Beziehungen zum Ortsvorsteher ausbauen was letztlich vieles erleichtert hat. Das W:L:O:A (www.wloa.de) hat jetzt 3 mal stattgefunden, nach dem super Einstand 2003 (geiles Wetter) hat uns leider sowohl dieses als auch letztes Jahr das Wetter echt über mitgespielt, so dass wir die Zuschauerzahlen nicht deutlich steigern konnten und jedes Jahr ziemlich viel private Kohle in den Sand gesetzt haben. Dieses Jahr gibt’s jetzt noch zusätzlich nen riesen Ärger mit der GEMA, obwohl wir alles korrekt angemeldet haben, weil die GEMA-Spitzel halt Scheiße erzählt haben, nun ja im schlimmsten Fall geht das ganze jetzt vor Gericht, aber das ist noch nicht raus. Schade dass man von dieser Seite so in die Eier bekommt. Ja letztlich siehts wohl so aus, dass wir es in dieser Form nicht mehr machen können, weil wir eben nicht den riesen Aufwand jedes Jahr treiben wollen und hinterher dann auch noch privat Geld reinstecken müssen. Aber endgültig ist das noch nicht, vielleicht ändern wir auch das Format, wir sind noch am Abchecken. Dazu kommt dass wir den Platz in Wittendorf 2006 definitiv nicht mehr bekommen, da das jetzt Landschaftsschutzgebiet ist und man dort keine Veranstaltungen mehr machen darf. Nen neuen Platz brauchen wir also auf jeden Fall, und das ist schon mal ein grosses Problem, aber wie gesagt wir sind noch nicht endgültig zu einer Entscheidung gekommen.

 

Das Ende Deiner Lieblingsband „Joint Venture“ führte zur Gründung von Jesus Weed, welche Dich zu einem Teil der Liedermaching Bewegung werden ließ. Was ist für Dich der wichtigste Teil der die heutigen Liedermacher auszeichnet.

Ich weiß gar nicht ob ich mich als Teil der Liedermaching Bewegung fühle oder fühlen will. Wie in jeder anderen Szene gibt’s auch hier viele Fichten, die mit nem riesen Ego herumlaufen. Wir sagen immer Smoke`n`Roll oder Rauchrock zu unserem Sound, im Endeffekt ist es akustische Riffmusik mit inhaltsvollen deutschen Texten. Wie auch immer, das wichtigste ist wohl dass man in seiner Muttersprache was zu Gehör bringt was die Leute irgendwie trifft. Egal ob Deiner Aussage lustig, traurig, politisch oder einfach nur wahr ist. Es geht um den Text, er ist nicht nur blödes Beiwerk, kein englisches Blabla, kein gesellschaftskonformer Kulturfaschismus, wie er in den ach so „freien“ Medien geschieht. Es ist also nicht mehr der Zeigefinger die Liedermacher der 60er und 70er sondern vielmehr der Mittelfinger eines neuen Jahrtausends, yeah!

 

 

 

In mitten eines Hanffeldes des Bundeshanfschutzes entstand das 2. Jesus Weed Album „THC-Ratiopharm“. Mit welchen Überraschungen darf der Hörer rechnen?

Wir haben in den letzten zwei Jahren seit unserem Debut „For Those About To Smoke – Weed Salute You“ über 20 Songs geschrieben. Davon haben wir 13 ausgewählt und aufgenommen. Wir haben in der Zwischenzeit an die 60 Gigs gespielt und dadurch einen enormen Schritt gemacht, gesanglich, musikalisch, als Einheit und das hört man dem Album an. Ich würde sagen dass es erwachsen klingt. Dazu kommt natürlich der oberamtliche Sound der Platte für den Lemmy (Custom Recordings) verantwortlich ist. Es ist ein erfahrener Engenieer und Produzent und ein cooler Typ, von dem wir viel gelernt haben. Durch unseren gemeinsamen Deathmetal Background und unsere Vorliebe für Kick-Ass-Rock’n’Roll hats auch menschlich gleich gepasst. Ich empfehle das Album in einer ruhigen Stunde mal komplett über Kopfhörer reinzuziehen, das fördert noch viele Feinheiten und Gags zu Tage. Die Mischung von schnellerer und langsamen Stücken, lustigen und ernsten Nummern funktioniert meiner Meinung nach sehr gut auf dem Album. In den Songs und vor allem auch den Texten steckt viel (persönliche) Wahrheit und Herzblut.

 

(„Scherzhaft“) Mike Godylas Freund Kuno hat auch bei Euch im Lied „Bahnbegegnungen“ ein gutes Zuhause gefunden. Was macht Ihn unter Liedermachern eigentlich so beliebt?

Mike ist ein langjähriger Freund von uns, der erste von den „alten“ der mit uns zusammen Aufgetreten ist und in die „Szene“ aufgenommen hat.

Kuno hingegen ist einfach ne coole Type, er ist straight, macht sein Ding und lässt sich nicht anpissen, außerdem weiß er Freundschaft zu schätzen, sie ist Ihm heilig. Was ja aber nicht unbedingt was über unser spezielles Verhältnis zu Ihm aussagt. Kuno, wenn Du das hier liest, und ich bin sicher, dass Du das tust: Sorry wegen der Tasche, können wir dass nicht irgendwie anders klären?

 

Etwas das ich echt schade finde ist, dass mir keine Liedermacher-Zines oder Infomöglichkeiten außer dem Internet bekannt sind. (Besonders: www.liedermaching.de und www.monstersofliedermaching.de ) Kannst Du mir da etwas Abhilfe schaffen.

Und www.jesusweed.de, haha. Ja, ss gibt schlicht und einfach keine. Vielleicht liegt es daran dass es eben alles Kiffer sind, die nix gebacken kriegen. Die Szene ist eben sehr klein und durchaus nicht homogen gewachsen, es gibt ein deutliches Nord-Süd Gefälle und leider sehr wenige Macher. Außer Götz Widmann gibt’s keine bekannten Größen, in den Medien finden wir nicht statt, der Markt dafür ist vielleicht noch nicht da. Aber hauptsächlich fehlen Leute die was Anfangen.

Als Printmedium kommt evtl. der „Folker“ in Frage, aber auch da nur am Rande. Hmm ohne Internet isses echt mau. Auf genannten Seiten findet man die meisten Termine und in den Linksammlungen alle wichtigen und unwichtigen Kollegen. Vielleicht solltet Ihr im RISK eine Liedermaching Rubrik aufmachen?

 

Nachdem Du neben Deiner Liedermacherband „Jesus Weed“ noch metallische Wurzel hast und in der Doom-Death Band Dismay (1993-1998) und Certamen (1998-2002) (Todrock!!!) gespielt hast, was macht Dein Bandprojekt „Shadowthrone“ in diesem Zusammenhang?

Shadowthrone ist eigentlich gar nicht „mein“ Projekt, sondern dass meines alten Freundes Christopher Schnell. Ich habe ihm auf dem DebutForaiDemon 21“ Bass eingespielt und gesungen, und für das zweite Album ebenfalls die Bassspuren eingespielt und mit Durin zusammen den Gesang übernommen. Leider ist das ganze nie erschienen, da waren echt geile Songs am Start, in der Schnittmenge von Summoning und The Vision Bleak, mit Lyrics von Edgar Allen Poe. Es kam dann aber die Diplomzeit von Christopher dazwischen und mittlerweile die Hochzeit und Geburt seiner Tochter Lena. Ob er es je fertig macht, weiß ich nicht, ich hör mit die Rough-Mixes auf jeden Fall noch gerne an.

Ich habe allerdings seit geraumer Zeit ein neues Projekt am Start, das den Arbeitstitel „Brougham Sledgehammer“ trägt. Zusammen mit Phipse (Hauptberuflich Drummer bei CREKKO) und Doc (Sänger von TIEFLADER) machen wir geilen Arschtretsound, hmm  das ganze klingt wie??? Down meets Supersuckers? Es rockt auf  jeden Fall und wir wollen das ganze auch auf die Bühne bringen. Ach ja wir suchen dafür noch einen fähigen Klampfer.

 

Immer wieder ist die Veröffentlichung einer 2ten „Certamen“ Scheibe im Gespräch. Wird das noch was, oder bleibt es dabei, dass ich Eurem DebutBurning Sky“ keine weiter Platte mehr meiner Sammlung beifügen kann.

Certamen herrscht! Jo das Ende hat damals echt geschmerzt. Aber es gibt tatsächlich was neues. Es wird 2006 eine Reunion geben. Ich habe von paar Wochen mit unserem Klampfer Frank in der RoFa LB gesoffen und wir haben festgestellt dass wir am März wieder in der gleichen Gegend wohnen und beide geil auf die band sind, Durin und Dietmar sind auch am Start und ein noch unbekannter neuer Gitarrist. Keine Ahnung wie das wird, schließlich haben wir 4 Jahre nix mehr zusammen gemacht, wir werden sehen. Aber ich hoffe dass es wieder funkt und wir ein weiteres Album aufnehmen können, in dessen Zuge möchte ich auch das Material vom alten Longplayer noch mal durchs Mischpult zerren, der Mix von Burning Sky ist ja nicht so der Hammer gewesen. Wenn ich ehrlich bin fehlt mir auch die Metallmusik brutal, ich liebe Jesus Weed , aber die Bratgitarren sind meine Wurzeln und die darf man nie vergessen.

 

 „Die neckische Ballade…“ tritt einmal ganz gewaltig einigen Spinnern auf die Füsse. War wohl auch höchste Zeit für so einen Song, oder?

Ja. Allerdings ist der Song auch eine wahre Geschichte. Durin war nämlich zu dieser Zeit tatsächlich Friedhofsgärtner und hat die ganze Scheiße live erlebt. In der Metallszene gibt’s leider (wie in jeder anderen auch) viele Spinner die nicht kapiert haben was Heavy Metal bedeutet. Freiheit und Ehrlichkeit, heißt das für mich, was ich manchmal auf Konzerten seh kotz mich wirklich an. Vor allem auch weil jegliche Zivilvcourage fehlt. Wie hat es Barney schön auf dem Party San gesagt: „Nazi-Punks Fuck Off!“

 

Danke für den Gummihammertip im Song „Tool Time“. Wer von Euch kam auf die gute Lösung.

Der Text ist von Durin. Wir haben zu dieser Zeit viel gekifft und weniger gesoffen und festgestellt wie bitter das Ertragen von Betrunken sein kann, wenn man andere Drogen als Alkohol konsumiert hat. Wenn das Ziel nur ist am ende besinnungslos voll zu sein ist die Lösung mit dem Hammer echt viel effektiver und dabei so sozialverträglich, haha. Aber immer lächeln und winken, wir lassen uns schon auch mal noch einen rein…

 

Ich musste schon mal hören, dass Liedermacher sich mühsam durch Süddeutschland beißen müssen, während es im Rest von Deutschland besser läuft. Dein Eindruck dazu?

Ich würde das zum Teil bestätigen. Auf jeden Fall gibt es im „Norden“ und „Osten“ mehr Liedermacher, ob daran liegt dass die Handhabung geringfügiger Mengen Marihuana dort lockerer ist als in Bayern und Baden Würtemberg? Von den Zuschauerzahlen kann ich es aber nicht bestätigen, die sind dort nicht besser als im Süden, man muß natürlich den Heimbonus berücksichtigen. Im Allgemeinen haben alle Liedermacher außer Götz mit geringen Zuschauerzahlen zu kämpfen, aus Gründen die ich vorher schon angesprochen hatte.

 

Deine Ziele, welche es noch zu erreichen gibt?

Musikalisch? Ich hoffe mit Jesus Weed noch ein paar geile Alben aufnehmen zu können und irgendwann auch ein passabler Gitarrist zu werden. Das 2te. Certamen-Album ist ein ganz wichtiger Punkt. Die Band war immer mein Baby, und damit war ich nie durch, wie mit ner Beziehung. Ich bin glücklich wenn das klappt. Wenn die Zeit es zulässt würde ich auch gerne das „Shadowthrone“ Ding fertig machen, einfach nur um die losen Ende zu verknüpfen. Daß war jetzt alles nicht besonders Spektakulär, oder? Okay Außerdem bin ich dafür dass der Deutsche Bundestag im Gebäude des ehemaligen Deutschen Reichtages gesprengt wird und für den Weltfrieden! Was haben wir gelacht….

 

Können wir mit weiteren Liedermacher-Jahren in Wittendorf rechnen?

Wie ich vorher schon sagte, im Moment isses noch offen, aber ich würde eher dazu neigen nein zu sagen, zumindest so wie wir es bisher hatten. Es ist bitter sich das einzugestehen, aber wir habens einfach nicht geschafft, dass es vor allem am Wetter lag, hey davon kann ich mir nichts kaufen, so isses eben bei nem Open Air. Auf jeden Fall beibehalten werden wir aber das Freudenstädter Liederfest (Feb/März) (www.wloa.de) im JuZ. Das dauert zwar nur einen Abend aber wir haben geile Bands am Start und sorgen für Kultur im Schwarzwald. Es kann sein dass es für das W:L:O:A 2006 ein anderes Format gibt, wir stehen in Verhandlung mit einer sehr geiles Location/Veranstaltung und werden das vielleicht zusammenlegen. Sobald es spruchreif ist, oder auch nicht schreiben wir es auf unserer Homepage.

 

Reich mir mal bitte den Gummihammer, nachdem mir nichts sinnvolles mehr einfällt und ich Dir somit das Schlusswort überlasse.

Hier, bitte! Danke! Okay, Leute, danke dass Ihr bis hier hin weitergelesen habt. Schmeißt Euren Fernseher aus dem Fenster und riskiert mal ein Ohr wenn Jesus Weed oder andere Liedermacher in Eurer Gegend spielen, support the underground. Und holt Euch unsere neue CD bevor die Anwälte von Ratiopharm uns den Laden dicht gemacht haben. Es empfiehlt sich immer etwas THC-Ratiopharm im Haus zu haben!